Die Microsoft HoloLens 2 im Praxistest

Microsoft HoloLens 2

Das Wort HoloLens hat wahrscheinlich jeder von uns schon das ein oder andere Mal gehört, doch was genau mit dieser möglich ist, können die meisten nur vage beschreiben. Aus exakt diesem Grund wollen wir Ihnen diese und ihre Nutzung genauer vorstellen, denn wir haben die Microsoft HoloLens 2 für Sie einem Praxistest unterzogen.

Dabei war das Ziel, gute Einblicke abseits der bereits existierenden Berichte zu geben, die zugleich auch für unseren Kund:innen spannend sind. Vor allem, da Künstliche Intelligenz aktuell in aller Munde ist und Einfluss auf die Zukunft unserer Organisationen haben wird. Und so war unser reallife Use Case geboren, der die Nutzung aus Sicht von HoloLens-Begeisterten beleuchtet und zeigt, was nach unserer dreiwöchigen Projektphase damit möglich war.

Was genau ist die HoloLens?

Doch bevor wir weiter in die Tiefe gehen, fassen wir nochmals kurz zusammen, was ist die Microsoft HoloLens überhaupt ist. Es handelt sich hierbei genau genommen um einen eigenständigen, holografischen Computer, der ganz ohne Kabel wie eine Brille getragen wird. Mit dieser Brille werden digitale Inhalte in der realen Welt sichtbar gemacht und Anwender:innen interagieren über Sprache und Gesten mit diesen, um sie zu steuern und Aktionen auszuführen. Den Einsatzmöglichkeiten der HoloLens sind dabei keine Grenzen gesetzt: So kann sie beim Wissenstransfer in Ausbildungen oder bei Schulungen behilflich sein, jegliche Art von Produkten im Einsatz präsentieren oder sogar Ärzt:innen visuell im Operationssaal unterstützen.

Für Unternehmen werden zusätzlich die Einsatzmöglichkeiten im Bereich des Ingenieur- und Bauwesens, Supply Chain Management sowie der Fertigung hervorgehoben. Hier unterstützt die Brille beispielsweise bei Remote Assist Aufträgen von Service Technikern, dem Support von Endanwendern oder der Einbindung von Kund:innen in früheren Projektphasen. Was dabei die Benefits sind? Fehler sowie Ausfallzeiten werden reduziert, Standards gewährleistet, und Prozesse durch mehr Genauigkeit und mehr Effizienz verbessert.

Der sofortige WOW-Effekt zu Beginn

Zu Beginn des Projektes war es essenziell, dass jeder erstmal ein Gefühl für die HoloLens bekommen sollte. Die meisten von uns, die sie ausprobierten, spürten sogar schon beim ersten Aufsetzen der Brille einen gewissen WOW-Effekt. Dieser äußerte sich vor allem dadurch, dass virtuelle Objekte wirklich nahtlos in die reale Welt integriert werden. Ja, das kann sich zwar theoretisch jeder von uns vorstellen und kennen viele von Videos, aber es hat dennoch etwas Unglaubliches an sich, wenn man es selbst zum ersten Mal erlebt. Das galt übrigens auch für die Personen, die davor schon einmal eine Virtual Reality (VR) Brille benutzt hatten. Der Unterschied liegt nämlich darin, dass die VR nur die Welt vom Bildschirm projektiert, in welcher sich die Person dann bewegt, während die HoloLens auf Mixed Reality (MR) setzt und unsere Welt mit der projektierten vereint. Dadurch können physische sowie digitale Elemente miteinander interagieren und es wird ein noch immersiveres Erlebnis geschaffen.

Doch was war durch die Brille zu Beginn überhaupt zu sehen? Standardmäßig wird eine Benutzeroberfläche mit verschiedenen Apps ausgespielt, wie wir es von einem Tablet oder Handy kennen. Mit dem Unterschied natürlich, dass die Icons 3D Objekte sind, die in unserer Umgebung auftauchen und von uns berührt werden können.

Allein durch diesen sofortigen WOW-Effekt am Anfang fühlten wir uns motiviert, mit dem Projekt über die folgenden drei Wochen noch weiter in die Tiefe zu gehen. Dabei hatte uns die HoloLens in gewisser Weise durch Innovation so positiv überrascht, dass wir sie im nächsten Schritt auch noch Personen außerhalb von ORBIS zeigen wollten. Auf diese Weise bekamen wir auch Meinungen von Personen, die sich nicht tagtäglich mit Technologie beschäftigen. Im Praxistest mit Familienangehörigen wurde dann der gleiche WOW-Effekt erzeugt und es kam zudem die Frage auf, wer die HoloLens überhaupt entwickelt hatte. Als die Betroffenen erfuhren, dass es ein Produkt von Microsoft ist, haben diese nicht schlecht gestaunt – das Unternehmen wird zwar mit vielen alltäglichen digitalen Lösungen verbunden, aber man bekommt einfach weniger von ihren Projekten in anderen innovativen Bereichen, wie beispielsweise Mixed Reality, mit.

Die zweite Frage ließ dabei nicht lange auf sich warten: Wieso hat ORBIS überhaupt eine HoloLens? Natürlich haben wir diese, um am Puls der Zeit zu bleiben und eben genau solche Innovationen auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen. Folglich wurde ORBIS auch als innovativ assoziiert. Vor allem von denen, die ORBIS davor noch nicht so genau kannten.

Die ersten Schritte mit der HoloLens

Die schwierigste Entscheidung, die es vor jeder Nutzung mit der HoloLens zu treffen gibt, ist: In welche Richtung will ich sie treiben? Was will ich erreichen? Und brauche ich ein eigenes Programm dafür? Während dieser Überlegungen und einer einwöchigen Recherche stellten wir fest, dass die HoloLens keine besonders große Community hat und relativ wenig Informationen zur Verfügung stehen. Es gab einige Tutorials zur Bedienung von der HoloLens, die uns weitergeholfen haben, diese besser zu verstehen. Und unsere Zielsetzung war genau genommen sehr breit, denn wir wollten einfach rausfinden, was mit der HoloLens in der Praxis umsetzbar ist, wenn drei Wochen an Zeit und Arbeit investiert werden.

Dennoch war es anfangs schwer, die die für uns passendste Richtung zu finden. Warum diese entscheidend ist? Weil darauf basierend auch die Wahl der Software fällt. Leider funktionierten die Microsoft Dynamics 365 Guides, das auf die AR-Brille abgestimmte Programm, welches die in Werbung versprochenen Standardfunktionen enthält, in unserem Fall nicht. Deshalb haben die Umstände dazu geführt, dass wir uns schlussendlich die restliche Zeit auf die Software Unity fokussiert haben, mit welcher es keine Limitationen geben sollte und „alles“ für die HoloLens möglich sein sollte.

Unity basiert auf Coding und 3D Design, was bei weniger Erfahrung auch bedeutet, dass vor der Nutzung eine große Recherche nötig ist, um das passende Material zu finden und sich das nötige Wissen anzueignen. Das zeigte sich schon beim ersten Versuch ein 3D Objekt, ein sogenanntes „Custom Model“, selbst zu erstellen – wir scheiterten trotz unserer Begeisterung. Das Gleiche galt für die Programmierplattform „Visual Studio Code“, denn durch die fehlende Erfahrung für diesen spezifischen Anwendungsfall brauchte es wieder einen größeren Aufwand, sich gut einzuarbeiten.

Um die Möglichkeiten der MR-Brille nämlich vollständig ausschöpfen zu können, braucht es immer das Zusammenspiel verschiedener Softwares, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Selbst nach einer sehr langen Einarbeitungsphase und einem inzwischen guten Verständnis für die HoloLens, haben wir schlussendlich entschieden, dass es ein viel zu großes Fachwissen braucht, unser eigenes Programm zu erstellen. Aus diesem Grund setzen wir von da an auf ein vorgefertigtes Programm, nämlich Mixed Reality Toolkit (MRTK) 2 von Microsoft. Dieses bringt zwölf verschiedene Funktionen und Komponenten zum Einsatz, die im weiteren Schritt auch die Entwicklung von plattformübergreifenden MR-Apps in Unity dienen sollen.

Die Nutzung der HoloLens

Die meisten Personen würden jetzt annehmen, dass man ein vorgefertigtes Programm unkompliziert auf die HoloLens lädt und die gewünschte Nutzung sofort losgehen kann. Doch wir haben sehr schnell festgestellt, dass das leider nicht so ganz stimmt. Bei vielen der vorgefertigten Programme wurde meistens nicht gekennzeichnet, welche Versionen der Nebensoftwares nötig sind, um mit der HoloLens zu funktionieren. Oder anderes gesagt: Für das Development dieser Programme werden grundsätzlich drei verschiedene Tools verwendet, wie es auch bei der Selbsterstellung der Fall wäre. Somit können die verschiedenen Softwares für das Programm wieder nicht miteinander harmonieren, wenn sie nicht über eine spezifische, kompatible Version verfügen. Das verursachte in dieser Phase unseres Projektes sehr viele Probleme, weshalb wir auch einen großen Teil der Zeit damit verbrachten, die passende Kombination durch simples Ausprobieren zu finden.

Unser Ehrgeiz und Einsatz wurden am Ende dennoch belohnt: So schafften wir es mit diesem Programm, dass wir durch die HoloLens beispielsweise an einem virtuellen Klavier in unserem Office spielen konnten und es auch Ton gab. Zudem steuerten wir alles über Eyetracking, wobei die Brille die Augen verfolgt und somit verstehen kann, was und wann wir etwas länger ansehen – dadurch wird dieses Objekt automatisch anklickbar und weitere Aktionen möglich. Wir spielten uns danach mit verschiedenen 3D Objekte und legten diese auf einen Tisch, skalierten sie weiter oder ließen sie rotieren. Spannenderweise galt sogar für diese das Gesetz der Gravitation, denn legte man sie daneben, fielen sie wirklich zu Boden. Glichen die Elemente Schaltflächen, wurden sie zudem automatisch in klickbare Buttons verwandelt und es gab bei Berührung mit unserer Hand eine dementsprechende visuelle Rückmeldung. Das war vor allem durch die Funktionen Object Manipulator, Eye Tracking, Pressable Menu und Bounds Control des Mixed Reality Toolkits möglich.

Insgesamt waren diese sehr beeindruckend und haben einwandfrei funktioniert, jedoch gab es auch für diese Komponenten keine genaue Anleitung – somit war die tatsächliche Nutzung wieder an unsere Neugier geknüpft und es dauerte eine Weile, die Handhabung selbst herauszufinden.

Unser Fazit

Im Prozess dieser mehrwöchigen Recherche und des Testens haben wir verschiedenste Gefühle gespürt: Wir erlebten eine steile Lernkurve und das damit verbundene Gefühl einer gewissen Zufriedenheit, aber sobald wir einen Aspekt verstanden hatten, merkten wir jedes Mal sofort, wie viel wir immer noch nicht wussten, um das Potenzial der HoloLens 2 auch nur annähernd ausschöpfen zu können.

Vor allem die Schwierigkeit der Softwareversionskompatibilität für die Programme stellte eine große Herausforderung dar – selbst dann, als wir die Idee eines eigens erstellen Programmes schon aufgegeben hatten und ein vorgefertigtes wählten. Die Arbeit von der Recherche zum Testen war somit groß und teils frustrierend, doch jeder Schritt brachte uns weiter zur Ziellinie.

Alles in allem können wir jetzt sagen, dass die Möglichkeiten mit der HoloLens schier unendlich sind, es aber eine starke Fachexpertise braucht, um alleine einfachere Funktionen damit umzusetzen, geschweige denn individuelle Anpassungen bzw. Abweichungen von den Standardfunktionen. Somit ist die HoloLens ohne dieses Know-how auch nicht durch jedermann problemlos bzw. zeitnah für unternehmensspezifische Fälle einsetzbar. Handelt es sich jedoch um reguläre Abläufe in den Bereichen Remote Assist, Supply Chain Management und Field Service ohne weiteren Adaptierungsbedarf, können Anwender:innen getrost auf die Microsoft Guides zu diesen Dynamics 365 Modulen für die HoloLens 2 zurückgreifen.

AUTOR
Stanislav Bramhall, ORBIS Schweiz
AUTOR Stanislav Bramhall Solution Consultant, ORBIS Schweiz
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