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Datum:  Dienstag, 20. Januar 2004

Eberspächer setzt auf Branchen-Know-how von ORBIS

Mit SAP for Automotive mehr Flexibilität für zeitsensible Prozesse.

Von Stefan Aatz, Projektleiter, ORBIS

Der Markt für Automobilzulieferer befindet sich im Wandel. Produkte im richtigen Preis-Leistungs-Verhältnis alleine reichen oft nicht aus, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Gefragt bei den Herstellern sind Lieferanten, die Verantwortung für Beschaffung und Logistik übernehmen und als weltweiter Partner agieren können. Die Voraussetzungen dafür schaffte Eberspächer mit dem Einsatz einer Standard-Software, um so die heterogene System-Landschaft am Standort Neunkirchen zu vereinheitlichen und eine einheitliche Basis für zukünftige Rollouts zu schaffen. Um diese Herausforderung zu meistern, setzte die Unternehmensgruppe Eberspächer für den Geschäftsbereich Abgastechnik auf die Technologie von SAP und das Beratungs-Know-how des Business Consulting-Unternehmens ORBIS.

Die Unternehmensgruppe Eberspächer GmbH & Co KG aus dem schwäbischen Esslingen gehört mit 5.200 Mitarbeitern zu den fünf größten Abgastechnik-Produzenten weltweit. Die Niederlassung im saarländischen Neunkirchen mit 1.950 Mitarbeitern beliefert Unternehmen wie DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen oder Renault mit Abgastechnik wie Komplettanlagen, Schalldämpfer und Katalysatoren für PKWs und Nutzfahrzeuge. Insbesondere erfordert die Edelmetallbeschichtung von Katalysatoren in Abgasanlagen eine spezielle Planungssicherheit, da der Einkauf von Edelmetallen stark von den Preisschwankungen des Weltmarktes abhängig ist. Je nach Bedarf stellt Eberspächer seinen Kunden große Stückzahlen bereit, liefert aber auch kleine Stückzahlen im Segment Nutzfahrzeuge und im After-Sales sowie Sonderanfertigungen im Rahmen der Produktentwicklung über eine eigene Prototypenabwicklung. Diese an Kundenbedürfnissen orientierte Fertigung mit dem komplexen, mehrstufigen Produktionsprozess mit Rüst- und Reihenfolgenoptimierung sowie einem flexiblen, durchgängigen Materialfluss mit der Integration von Lohnarbeitern in die eigene Fertigung machten den Einsatz einer neuen, Transparenz schaffenden Software erforderlich.

In der Ruhe liegt die Kraft


Ziel des Projektes war  die bestehende heterogene System-Landschaft aus dem Logistiksystem COPICS, SAP R/2 und Eigenentwicklungen bei der Lagersoftware sowie der Vorortmontage durch eine Standard-Software ohne Funktionalitätseinbußen zu ersetzen. Die Einführung von SAP R/3 im Bereich Serie und Handel in Neunkirchen diente der Vereinheitlichung der Prozesse an den verschiedenen Standorten und ist Basis für weitere Rollouts. Die Implementierung sollte in mehreren Phasen ablaufen, um so eine höhere Sicherheit bei der Umsetzung zu gewährleisten. "Neben Know-how, Erfahrung und Flexibilität bei der eigentlichen Projektarbeit überzeugte uns die vorgeschlagene Risikominimierung. Die Berater haben uns mit überzeugenden Konzepten und Referenzen von Anfang an Sicherheit gegeben, keinen Schiffbruch zu erleiden", so Tobias Diepold, Leiter des SAP Competence Centers bei Eberspächer.

Als Beratungspartner und Technologielieferant entschied sich Eberspächer für die ORBIS AG. Die Saarbrücker beraten Unternehmen beim Einsatz von SAP-Software und konzentrieren sich mit ihren Lösungen für mySAP Automotive auf die Zuliefererindustrie. Die Aufgabe von ORBIS bestand in der Konzeption der IS-Automotive-Lösung für Eberspächer mit der Implementierung von 4.6 B und Automotive 2.0 (IS-A 2.0) inklusive der JIT-Abwicklung“. Der JIT-Prozess (Just in Time) verzahnt den Materialfluss durch entsprechende Montagesteuerungssysteme. Der Erstausrüster sendet dabei Informationsimpulse an seinen Zulieferer und veranlasst damit, dass das Material genau einbaufertig und sequenzgenau an seinem Bestimmungsort ankommt, wenn es gebraucht wird. Notsysteme sorgen dafür, dass Informationen auch bei einem Systemausfall nicht verloren gehen.

IS Automotive ist zunächst ein Standardprodukt. Durch einzelne Module und spezielle Zusatzlösungen - Add-ons - entstanden maßgeschneiderte Lösungen für den Einsatz bei Eberspächer. Der Startschuss für das Projekt in Neunkirchen fiel im November 1998. Die vorhandenen Vorstellungen über die zukünftige Architektur wurden gemeinsam mit ORBIS in einem Workshop differenziert und detailliert ausgestaltet. Implementiert werden sollte im ersten Schritt SAP R/3 für Aftersales, Finanzwesen, Controlling, Anlagenwirtschaft, Instandhaltung und Materialwirtschaft. Erst danach folgte die Implementierung der Produktionsplanung und des Vertriebs für die Serienfertigung sowie eine weitere Optimierungsphase bis Mitte 2002.

Die erste Phase begann im August 2000 und dauerte ein Jahr. Die zweite Phase startete genau ein Jahr später im August 2001. Im ersten Schritt wurde das vorhandene R/2-System auf R/3 umgestellt. Die Besonderheit bestand darin, R/3 auf einem Großrechner unter dem Betriebssystem OS/390 laufen zu lassen.

Die gesamte Serienproduktion inklusive der Vertriebs- und Versandabwicklung sowie eine komplexe Schnittstelle zu dem WM-System LOGIS (Lagerverwaltung) wurden implementiert. Jedoch blieb das proprietäre WM-System erhalten, da die Steuerung in LOGIS integriert ist. Bei den Add-Ons war die Aufgabe von ORBIS, Schnittstellen zum Druck von Warenbegleitkarten, zur Auszeichnung von Ident-Belegen, zu Materialanforderungen und zum Generieren von Transportaufträgen zu erstellen.

Standard, aber trotzdem flexibel


Das von ORBIS entwickelte Add-On für simulative Transportbearbeitung, die sogenannte Ladeliste, entlastet die Mitarbeiter im Versand. Im Neunkircher Werk wird Just-in-Time produziert. Einerseits bedeutet das geringe Lagerkosten, anderseits Zeitdruck: Versandpapiere, Liefer- und Transportscheine sowie Frachtpapiere, die Route und Lieferadresse auflisten, müssen zeitgleich mit der produzierten Ware reisefertig sein. Kompliziert wird es, wenn Menge oder Verpackung kurz vor Abfahrt der Ware auf den Papieren geändert werden muss. Mit dem neuen Add-On wird die im Standard relativ zeitaufwändige Verpackungs- und Mengenänderung, zwei kleine Kisten mit fünf und vier Stück, statt einer großen mit zehn Stück, erheblich beschleunigt.

Durch das IS-Automotive JIT-Modul wird die produktionssynchrone Abwicklung in den Montagewerken in Sindelfingen und München abgebildet. Dabei wurden über Schnittstellen lokale Systeme zur Scanner-gestützten Wareneingangserfassung und Robotersteuerung angebunden. Im Zusammenspiel mit mehreren Kunden wird das Gutschriftsverfahren mit den dazugehörigen Monitoren eingesetzt. Weiterhin werden die in R/3 üblich enthaltenen Standardfunktionen Disposition und Bestandsführung genutzt. Im Einsatz sind ebenfalls die Fertigungssteuerung als Serien- und Auftragsfertigung und die graphische Plantafel zur Reihenfolgeplanung an Engpassmaschinen.

Das Mammutprogramm ist geschafft


Rückblickend hat Eberspächer ein strammes Programm bewältigt. Neben der ERP-Softwareumstellung standen zum gleichen Zeitpunkt der Jahrtausendwechsel, die Euroumstellung und ein neues HR-System ins Haus. Zudem forcierte die Geschäftsführung bewusst das durch die R/3-Einführung bedingte Change-Management durch eine effektivere Aufgabenzuordnung der Abteilungen. Die fachabteilungsübergreifende neue Struktur fordert Mitarbeiter, weitsichtig zu agieren.

Die Mitarbeiter von Eberspächer verfügen heute über mehr Informationen und verlassen sich auf die Funktionstüchtigkeit des neuen Systems. "Die große Kraftanstrengung hat für alle zu mehr Flexibilität sowie weniger Fehler bei der Arbeit geführt und trägt so auch zu einer höheren Prozesssicherheit und damit letztendlich Kundenzufriedenheit bei", so Tobias Diepold bei Eberspächer. Weitere Rollouts gemeinsam mit ORBIS als Partner sind an den Standorten in USA, Frankreich und in Tschechien geplant.

 


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