Basel II
Basel II
Bisher muss jeder Unternehmenskredit von der Bank mit acht Prozent Bank-Eigenkapital hinterlegt werden.
Der Baseler Akkord (Basel II) sieht vor, dass sich die Eigenkapitalanforderung verstärkt am jeweiligen Kreditrisiko orientiert. Dieses Risiko soll anhand eines Ratings gemessen und beurteilt werden: Ist das Ratingergebnis des Kreditnehmers gut, wird weniger Bank-Eigenkapital gefordert, bei schwachem Ratingergebnis dagegen mehr. Das hat zur Folge, dass für risikoreiche Kredite entsprechend mehr Zinsen verrechnet werden müssen.
Alle Banken werden dazu aufgefordert, ihr Risikomanagement weiter zu optimieren und offen zu legen. Die Bankaufsicht darf – wenn es sein muss – Maßnahmen einleiten oder die Eigenkapitalanforderung für die jeweilige Bank erhöhen, um die vorgeschriebene Balance zwischen Risiko und Eigenkapital zu bewahren bzw. wiederherzustellen.
Jeder Kredit, den die Bank an Firmenkunden auszahlt, muss von ihr mit 8% Eigenkapital hinterlegt werden (= Eigenkapitalunterlegung).
Basel II - Kriterien
Das Hauptproblem ist, dass es keinen Standard-Kennzahlenkatalog gibt. Die Verfahrensweise unterscheidet sich von Kreditinstitut zu Kreditinstitut.
Es lassen sich jedoch für ein Rating folgende Kriterien unterscheiden:
- Quantitative Kriterien
- Qualitative Kriterien
Quantitative Kriterien (Hard-Facts)
Darunter werden in erster Linie die Zahlen zusammengefasst, die sich aus betriebswirtschaftlichen Auswertungen ermitteln lassen.
Bilanzkennzahlen wie:
Eigenkapitalquote, Liquiditätsplanung, Gesamtkapitalrentabilität, Cash Flow, Fremdkapitalquote, Umsatzrentabilität, Personalaufwandsquote, Materialaufwandsquote, Umsatzwachstum.
Da im Rating-Prozess immer auch Plan-Ist-Vergleiche durchgeführt werden,
müssen Planzahlen zumindest für ein weiteres Jahr ermittelt werden können.
Qualitative Kriterien (Soft-Facts)
Die Auflistung dieser Kriterien lässt sich beliebig gestalten und ist vor allem vom jeweiligen KI abhängig. Diese Facts dienen zur individuellen Einschätzung des Unternehmens und seiner Perspektiven in Bezug auf Entwicklungspotenziale und Flexibilität.
Marktstärke
- Perspektiven der Branche
- Positionierung im Markt
- Kundenorientierung
- Innovationsfähigkeit
Unternehmensspezifische Erfolgsfaktoren
- Qualität des Managements/der Mitarbeiter
- Langfristige Strategie
- Buchhaltungs- und Controllingsystem
- Organisation und IT-Systeme
Langfristige Faktoren
- Investitionsrisiko
- Informationsverhalten gegenüber dem Kreditgeber
- Sicherheiten
Basel II - Gewichtung
- Kennzahlen der Bilanzanalyse 50 %
- Faktoren aus dem Unternehmensumfeld 25 %
- Qualität des Managements 25 %
Basel II - und die Bank
Die Bank wird wissen wollen, ob in der Firma mit entsprechenden Bausteinen gearbeitet wird. Dazu zählen unter anderem:
- Sachlich richtiges, aktuelles und ordnungsgemäßes Rechnungswesen
- Konsequentes Forderungsmanagement (Mahnwesen)
- Aussagekräftige Kostenrechnung
- Kostenkontrolle – Überwachung des Liquiditätsplanes
- Ermittlung von Deckungsbeiträgen und Ertragsgrößen
- Vor- und Nachkalkulation für Produkte und Dienstleistungen
- Produktionsüberwachung
- Qualitätsmanagement
Basel II - und SAP
Branchenlösung Banken
- Um die Ergebnisse der Ratings zu verwalten gibt es Lösungen für Banken.
- Stichwort „Bank Analyzer“ - ist ausschließlich eine Lösung für Banken.
Industrieunternehmen
- Die erforderlichen quantitativen Kennzahlen (Hard-Facts) eines Jahres lassen sich problemlos aus dem SAP R/3-System ermitteln.
- Mit SAP SEM lässt sich der Analyseumfang deutlich erweitern.
- Laut SAP kann es sein, dass es für die Basel II Abwicklung eigens komfortable Erweiterungen geben kann/soll, wie z.B. entsprechende xApplikationen für das SAP 4.70.


